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Über mehrere Tage, vom 22. bis 26. August 1992, griff ein rassistischer Mob unter Beifall von Rostocker Bürger*innen erst die Zentrale Aufnahmestelle für Asylsuchende (ZAST) an, wo sich vor allem geflüchtete Rom*nja aufhielten.

Später attackierten sie das Haus ehemaliger vietnamesischer Vertragsarbeiter*innen, welches am Abend des dritten Tages in Brand gesteckt wurde. „So viele Menschen! Tausende! Die gucken zu und klatschen“, erinnerte sich Nguyen Dinh Khoi in der Dokumentation „Baseballschlägerjahre“.

Das Pogrom stellt einen Höhepunkt der Nachwendezeit dar, in der rassistische und rechte Anschläge zum Alltag für viele nicht-weiße Personen gehörten. Es zeigt, wie von Rassismus Betroffene allein gelassen werden – von der Polizei, der Politik und der weißen Dominanzgesellschaft. So retteten sich die Personen, die sich während des Brandes im Haus befanden, selbst über das Dach und entkamen so dem Tod. Die Polizei hatte über Stunden den rechten Mob gewähren lassen, führende Politiker*innen und Medien behaupteten, hinter den Ausschreitungen stünde ein Komplott der Stasi.

Die psychischen, physischen und finanziellen Folgen der rassistischen Gewalt bleiben. Weder bekamen sie Unterstützung bei der Aufarbeitung, noch folgte eine lückenlose Aufklärung. Gung Do Hyuen, eine der Betroffenen sagte, ein Abschiebestopp und eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung wäre “die größte Entschädigung” gewesen. Es kam anders: Das Grundrecht auf Asyl wurde von Union, SPD und FDP stark eingeschränkt und viele der Betroffenen abgeschoben.

Die sogenannten „Baseballschlägerjahre“ unmittelbar nach der Wende zeugen von einer Zeit, in der das neue Nationalgefühl des wiedervereinigten Deutschlands auf Kosten all jener zelebriert wurde, die nicht dazugehörten. Statt rechte Gewalt konsequent zu ächten, fand man vor allem Verständnis für die Täter*innen. Rechtsradikale Jugendliche wurden als „fehlgeleitet“ dargestellt, sie sollten in Jugendprojekten besonders gefördert werden. In einem solchen Projekt fand nachweislich die Sozialisierung des späteren NSU-Trios um Beate Zschäpe statt. Konsequente Arbeit gegen Rechts wurde von kleinen zivilgesellschaftlichen Gruppen und Betroffenenorganisationen geleistet – und dabei von Politik und Medien oft behindert und sogar kriminalisiert.

Am 27. August findet eine bundesweite Demonstration und im Vorfeld mehrere Info-Veranstaltungen statt. Mehr dazu finden Sie auf der Website der Initiative „Gedenken an das Pogrom. Lichtenhagen 1992“.