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Sie berichten aus ihrem Alltag, erzählen ihre Geschichten – und kritisieren Missstände, ob Queerfeindlichkeit, Rassismus oder Ableismus. Das ist einerseits gut, weil es die Nicht-Betroffenen-Gesellschaft aufrüttelt und sensibler macht. Andererseits macht es sie auch angreifbarer. Und TikTok? Tut ihnen dabei oft keinen Gefallen. 

Da ist zum Beispiel die „schlechte Neutralität “, die TikTok bei der Moderation walten lässt. TikTok beschränkt Content, der „hasserfüllt“ ist – und unterscheidet dabei leider zu selten zwischen legitimer Kritik oder menschenfeindlichen Kommentaren. Wenn Betroffene Rassismus scharf kritisieren, ist das etwas anderes als Videos, die selbst rassistisch sind – oft werden aber beide auf die gleiche Weise moderiert. Wenn nur genug Personen Rassismuskritik als „hasserfüllt“ melden, werden diese Videos verschwinden. Oft verabreden sich Rechte oder Trolls auf anderen Foren, um Videos massenhaft zu melden. In der Folge verschwinden Videos, die Rassismus scharf kritisieren – während rassistische Videos stehen bleiben, wenn sie nur höflich genug formuliert, also wenig „hasserfüllt“ sind. 

Eine andere Strategie von TikTok ist ein falscher Schutz von Minderheiten – durch Nichtöffentlichkeit. So wurde vor wenigen Jahren bekannt, dass TikTok Videos von Menschen mit Behinderung unsichtbar gemacht hatte, um sie vor Mobbing zu schützen. Das Verfahren heißt „Shadow Banning“ – die Creator*innen publizieren ganz normal, ihre Videos tauchen aber nirgendwo organisch auf, werden von niemandem gesehen. Natürlich waren sie so irgendwie vor Mobbing geschützt – geholfen hat man auf diese Weise aber nicht, denn die Creator*innen wollen natürlich Sichtbarkeit und ein Publikum. Wenn behinderte Menschen geshadowbanned werden, ist das eine Form von Diskriminierung. 

Und dann ist da natürlich die Zensur bestimmter Themen. Erst vor Kurzem wurde bekannt, dass TikTok-Videos mit LGBTIQA-Inhalten so ähnlich behandelte wie „sexuell explizite“ Inhalte – und sie nur Erwachsenen oder gar nicht ausspielte. Diese Art von Einschränkung widerspricht aber dem Gedanken, queeren Jugendlichen ein Forum zu geben. Gerade sie sind besonders angreifbar, sind mit ihren Gedanken und Bedürfnissen oft allein – und haben ein erhöhtes Suizidrisiko. Während hetero Teenager auf TikTok ganz selbstverständlich über die erste Liebe sprechen, wird das Liebesleben junger Queers wieder unsichtbar gemacht. Sie rücken dadurch ins gesellschaftliche Abseits. 

Unser Fazit: TikTok kann eine Plattform sein, die einen Beitrag dazu leistet, Bedürfnisse und Lebenswelten marginalisierter Personen abzubilden. Mit restriktiver Content-Politik und falschen Grundsätzen bei der Moderation reproduziert die Plattform allerdings gesellschaftliche Ausschlussmechanismen – und verstärkt eher Marginalisierungseffekte. Hier setzen wir auf ein Umdenken und einen besseren Reflexionsprozess – nicht nur für TikTok, sondern für alle Gatekeeper der Öffentlichkeit.  

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