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Kontakt

Deborah Krieg, Kuratorin
DKrieg@bs-anne-frank.de
069 - 56 000 232

Programmvideo zum Lernlabor

Das Lebendige Buch

ANNE FRANK. EIN BUCH FÜR HEUTE macht Geschichten von Flucht und Widerstand sichtbar und lebendig.


Wie erlebten die Untergetauchten die Zeit im Versteck?
Warum wurde Anne Frank zur Ikone – und nicht ihre Schwester Margot?
Wer hat die Franks verraten?
Was passierte mit den HelferInnen, nachdem das Versteck aufgeflogen war? 


Wenn Anne ein rosa Pali-Tuch trägt

Ein Lernlabor zu Antisemitismus und Jugendkultur in der Migrationsgesellschaft


In den nächsten Jahren entsteht in der Bildungsstätte ein interaktives Lernlabor zu Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung.

Wir möchten möglichst viele junge Menschen in Deutschland über Antisemitismus im Besonderen sowie Rassismus und Diskriminierung im Allgemeinen informieren und ihnen zeigen, wie sie sich persönlich dagegen engagieren können. Voraussetzung dafür ist, dass Jugendliche diese Phänomene verstehen und ihre Erscheinungsformen erkennen können.

Die bewegenden Tagebuchaufzeichnungen des jüdischen Mädchens Anne Frank sind dabei für viele Jugendliche ein Türöffner, um zu verstehen, wohin eine Ideologie der Ungleichwertigkeit führen konnte. Unser Anliegen ist es, dass Jugendliche diese Erfahrung in ihre heutige, alltägliche Lebenswelt übertragen können, dass sie sensibel für Diskriminierungsgeschehen, menschenverachtende Ideologien und Instrumentalisierungen in ihrem Umfeld werden.

Ein weiteres Ziel ist es, Jugendlichen praktische Kompetenzen zu vermitteln, die nötig sind, um die gewonnenen Erkenntnisse im Alltag umzusetzen. Dazu gehört es, reflektiert - d.h. ohne abwehrende und diskriminierende Affekte - mit Diversität in ihrer Umgebung umzugehen, eigene Anliegen ohne Rückgriffe auf rassistische oder antisemitische Argumentationen vorzutragen, eigene Ideen für ein demokratisches Zusammenleben und Handlungsstrategien gegen Antisemitismus entwickeln zu können.

Außerdem möchten wir auch die pädagogischen Fachkräfte in ihrer Arbeit unterstützen und ihnen weitere Strategien, Methoden und Kompetenzen zur Verfügung stellen.

Anne Frank und Frankfurt. Anne Frank in den Medien

Aufgrund ihrer besonderen Eignung als Identifikationsfigur soll der Bezug zu Anne Frank, ihre Verbindung zu Frankfurt, ihre historische Biographie, ihre Medienpräsenz und ihre gegenwärtige Bedeutung zum Ausgangspunkt einer Auseinandersetzung mit aktuellen Formen von Antisemitismus gemacht werden. Von hier aus kann ein reflektierter Umgang mit Identifikationsangeboten sowie Selbst- und Fremdbildern geübt werden.

Wir möchten hierfür Ansätze der Menschenrechtsbildung, der Demokratieerziehung und der Radikalisierungsprävention sowie Ansätze der konstruktiven, gewaltfreien Kommunikation und Konfliktbearbeitung mit denen der politischen Bildung vereinen. Nicht nur der so entstehende physische und virtuelle Lernraum ist partizipativ angelegt, sondern schon seine Entwicklung selbst: Jugendliche Expertinnen*gruppen, die sich plural aus Mitgliedern der Migrationsgesellschaft zusammensetzt - darunter junge Jüd*innen und Muslim*innen - begleiten das Entstehen kritisch und bestimmen mit. Eine weitere, kritische Begleitung geschieht durch eine wissenschaftliche Expertise (aus Politik, Gesellschaftswissenschaft, Didaktik und Pädagogik).

Das Lernlabor wird sich direkt an die urbane und (gerade in Frankfurt besonders) plurale und differenzierte Stadtgesellschaft wenden. Die Vielfalt eigener Diskriminierungserfahrungen in einer pluralen Gesellschaft soll ernst genommen und neues Licht auf die Frage geworfen werden: "Wie wollen wir in dieser Gesellschaft leben und was können wir für ein gerechtes Miteinander selbst tun?".

Unsere Beratungserfahrung zeigt deutlich: Nur wer sich in seinen Erfahrungen von Betroffenheit, in seiner persönlichen Perspektive und in seinem Engagement wahr- und angenommen fühlt, ist dazu bereit, eigene Haltungen und Verstrickungen zu überdenken, neues Wissen zuzulassen und Sinnhorizonte zu erweitern.

Das Projekt wird als Modellprojekt im Bundesprogramm "Demokratie leben - Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit" durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.